Aug 222014

Warenhauskrise hausgemacht?

karstadt-koeln

Karstadt, ein Essener Warenhauskonzern mit Geschichte vor dem Ruin! – Womit hat Deutschland, womit haben die Karstadt-Mitarbeiter das verdient?

Trotz der Krise ist das Unternehmen noch flüssig genug, handlungsfähig zu bleiben. Eine Insolvenz in diesem Jahr sehe ich nicht, zumal auch die Warenkreditversicherung noch die Stange hält. Kurz vor dem Weihnachtsgeschäft zum Insolvenzrichter zu gehen, wäre auch unlogisch.

Damit aber ist das Problem Karstadt nicht vom Tisch. Während Karstadt auf unabsehbare Zeit noch weiter kämpfen wird und tausende Mitarbeiter um ihren Arbeitsplatz bangen, schreiben Konkurrenten wie Kaufhof schwarze Zahlen!  Karstadt fällt immer tiefer in die hausgemachte Krise. Der Aufsichtsrat teilt mit, dass der Konzern noch immer kein Geld verdient und über unrentable Filialen riesige Verluste einfährt.  Somit drohen Filalschließungen – eine logische Konsequenz? Dass rote Zahlen einer Filiale auch die Folge der Konzernpolitik ist, wird verkannt. Denn wenn ein Standort nicht wirtschaftlich arbeitet, muss das nicht zwangsläufig am Standort selbst liegen. Denken wir das konsequent weiter und stellen uns eine geschlossene Karstadt-Filiale vor: Was nach den Schließungen übrig bleibt sind Einkaufsruinen in der Innenstadt. Das ist kein schöner Anblick, macht die Innenstädte gewiss nicht attraktiver. Im Gegenteil: Der kleine Einzelhandel, die kleine Boutique an der Ecke, das Metzgerfachgeschäft, die Bäckerei mit ihrem Stehcafé, der Schuhmacher mit seinem Schlüsseldienst – alles was zu einer gesunden Infrastruktur gehört, sind dann gefährdet. Denn sie profitieren von Einkaufszentren wie Karstadt. Öde Innenstädte und irgendwie sterile Einkaufszentren würden das Stadtbild prägen und nicht unbedingt zum Verweilen einladen. Zudem sind einzelne Filialen eng mit der Geschichte und der Entwicklung der Städte verbunden. Das zu ignorieren kann fatale Folgen haben! Ein Warenhaus wie Karstadt ist immer ein Frequenzbringer und somit unabdingbar für den kleinen Einzelheiten um das Warenhaus herum.

Insofern also ist es nicht nur eine Frage des Standortes.

An Nicolas Berggruen wurden viele Hoffnungen geknüpft. Als er das wertvolle Porzellan des Konzerns, die drei Edelgiganten KaDeWe, Alsterhaus und Oberpollinger verkaufte, dürfte schon klar gewesen sein, dass er dem Konzern keine Chance gibt. Dieser Verkauf hat nicht nur wertvolle Zeit gekostet, sondern auch die kompletten Ablaufprozesse im Konzern sichtlich gestört. Ich halte Nicolas Berggruen nicht für einen Investor, der wie der klassische und ehrbare Kaufmann und Unternehmer auch ein eigenes Risiko eingeht.

Es ist beschämend, dass solch eine hausgemachte Krise und solch fehlerhaftes Managementverhalten auf dem Rücken der Mitarbeiter ausgetragen wird.

Jetzt gilt es aufzupassen, dass Karstadt nicht weiter filetiert wird und die besten Stücke noch herausgeschnitten werden, um dann den Kadaver zu vernichten.