Aug 252014

Krisen in der Welt und Deutsche Wirtschaft – Obstbauern und Automobile

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Dass die Deutsche Wirtschaft Russlands Sanktionen an vielen Stellen zu spüren bekommt, ist immer mal wieder Gegenstand von Berichterstattung. Ich möchte hier nicht nur Beispiele nennen, sondern auch einen Blick hinter die Kulissen versuchen.

Auch am Bodensee treffen Russlands Sanktionen die deutsche Wirtschaft: Russland hat ein Einfuhrverbot für westliche Agrarerzeugnisse verhängt. Halten wir uns vor Augen: Allein im letzten Jahr hatten hiesige Bauern Obst und Gemüse im Volumen von 60 Millionen Euro nach Russland exportiert. Nun bangen die Obstbauern der Bodenseeregion vor allem in Hinblick auf Äpfel und Birnen sehr um ihren Absatz nach Russland.

Mehr und mehr unter Druck geraten auch die Automobilhersteller in Deutschland. Schauen wir uns die Zahlen aus dem ersten Halbjahr 2014 an, so sprechen wir vom Wirtschaftswunder. Im Moment läuft das Geschäft wieder fast so gut wie noch nie. Eine Rekordfahrt!  Neben dem Gewinn der Fußballweltmeisterschaft sprechen wir vom erfolgreichsten ersten Halbjahr der Automobilgeschichte. Eine Sonderschicht folgt der anderen. Daimler, BMW und Volkswagen haben noch nie so viele Schichtmodelle eingeführt wie in diesem Jahr.  Allerdings schauen wir mit großer Skepsis nach China und Russland.

Nach einem Hoch kommt gewöhnlich auch wieder ein Tief. Das bestätigt nicht nur ein Blick nach Brasilien, wo die Automobilhersteller sehr stark unter Druck geraten sind und sehr hohe Kartellstrafen zahlen mussten.

Nachdem in China die Preise für Ersatzteile gesenkt werden mussten, drohen nun auch Auswirkungen durch die Krise in Russland. Sanktionen bleiben nicht ohne Gegenreaktion. Bei schärferen Sanktionen durch die Vereinigten Staaten droht die Europäische Union Russland mit der Einführung von vereinzeltem oder gar vollständigem Importverbot für westliche Fahrzeuge.  Einem Pressebericht zu Folge liegt ein entsprechender Vorschlag schon auf  Vladimir Putins Schreibtisch.  Die Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft wären im Moment fatal! Russland ist ein wichtiger Absatzmarkt für die deutschen Automobilhersteller, wenn nicht gar der Wichtigste! Nach Deutschland bzw. Europa hat  Russland den zweitgrößten Automarkt und steht weltweit an siebter Stelle.

Ob das Importverbot tatsächlich kommt, ist unsicher. Aber wenn Putin derart durchgreift, muss dies der Automobilindustrie große Sorgen bereiten: Ein Einbruch von 27% im Automobilbereich, über 40% im Bereich der LKW und 13% im Bereich der Busherstellung hätten fatale Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft!

Somit hat Russland starke Macht auf den Arbeitsmarkt und die Auftragslage in Deutschland und in Europa. Die Frage, ob Deutschland das kompensieren kann, ist nicht leicht zu beantworten. Zunächst einmal steht da ein klares Nein! Das drohende Importverbot könnte durchaus eine neue Wirtschaftskrise mit ungeahnten Folgen auslösen. Der Umsatzeinbruch wäre für die deutsche Industrie nicht auffangbar! Aber auch Russland hängt am Wirtschaftstropf Europa! ich bin davon überzeugt, dass sich Russland kein längeres Importverbot erlauben kann.

Putin ist ein politischer Hardliner, will sich profilieren will Stärke beweisen. Ein Importverbot aber kann er nicht lange durchhalten.

Werfen wir einen kurzen Blick auf Putins Gasexporte: Russland könnte den Gaspreis vielleicht zufällig und kurz vor Weihnachten noch einmal nach oben treiben. Das werden die europäischen Energiekonzerne gerne ausnutzen. Also ist noch einmal mit einer Erhöhung des Gaspreises in den nächsten Monaten zu rechnen.

Ergo: Mit und durch die Krise in der Ukraine geht ein spürbarer Wirtschaftseinbruch in Europa einher. Zwar sind die Prognosen für das zweite Halbjahr 2014 nicht schlecht, aber mit einem weiteren Aufschwung ist nicht zu rechnen – im Gegenteil: 2015 kann die Krise in der Ukraine für einen Abschwung der europäischen Wirtschaft sorgen.